Wie sagt man „Ich werde gewinnen“ in der Zukunftsform, wenn man Olympiasieger ist? Schließlich klingt „Ich werde laufen“ seltsam, und „Ich werde besiegen“ ist ja nicht einmal Russisch! Dieses besondere...
Wie sagt man „Ich werde gewinnen“ in der Zukunftsform, wenn man Olympiasieger ist? Schließlich klingt „Ich werde laufen“ seltsam, und „Ich werde besiegen“ ist ja nicht einmal Russisch! Dieses besondere Verb „gewinnen“ hat in der einfachen Zukunftsform keine Form der ersten Person Singular.
Professor Dmitri Uschakow, Autor des berühmten erklärenden Wörterbuchs von 1935, bezeichnete „pobedit“ (gewinnen) als unzureichendes Verb. Der Grund dafür liegt nicht in den Regeln, sondern in der Phonetik: Die Kombination aus „b“, „zh“ und „u“ erzeugt einen für das russische Ohr unangenehmen Laut.
Statt umständlicher Formulierungen greifen Muttersprachler intuitiv zu Umwegen. Wir sagen „Ich kann gewinnen“, „Ich werde den Sieg erringen“ oder „Ich werde ein Gewinner werden“. Selbst Michail Lomonossow hätte eine solche Form in seiner „Russischen Grammatik“ aus dem 18. Jahrhundert wohl kaum aufgezeichnet.
Dieses Phänomen, bei dem ein Verb nicht alle seine Formen gemäß den allgemeinen Regeln bilden kann, wird als Defektivität bezeichnet. Neben „gewinnen“ gehören dazu auch „überzeugen“ (wir würden nicht sagen „Ich laufe weg“) und „uns selbst finden“ in der ersten Person Singular.
Das Fehlen der Formulierung „Ich werde rennen“ ist also kein Fehler, sondern ein einzigartiges Merkmal der russischen Sprache, historisch bedingt und klanglich bedeutsam. Es bereichert unsere Sprache. Wie drücken Sie Ihren zukünftigen Sieg aus?
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