Viele russische Muttersprachler halten das Wort „Galjawina“ für nicht existent oder für einen Fehler, eine Mischung aus „Gazon“ und „Poljana“. Dennoch taucht es unerwartet in klassischen Werken auf. Wie konnte...
Viele russische Muttersprachler halten das Wort „Galjawina“ für nicht existent oder für einen Fehler, eine Mischung aus „Gazon“ und „Poljana“. Dennoch taucht es unerwartet in klassischen Werken auf. Wie konnte dieses vermeintlich falsche Wort Eingang in die russische Literatur finden?
Das Geheimnis ist, dass „Galjawina“ keine Erfindung ist. Es ist ein völlig gebräuchliches Wort im Ukrainischen und Belarussischen, wo es „Waldlichtung“ oder „Rasen“ bedeutet. Es klingt nur im modernen literarischen Russisch ungewöhnlich.
Diese Wörter gelangten über die Grenzdialekte der südlichen und westlichen Provinzen des Russischen Reiches, wie Kursk und Woronesch, in die russische Sprache. Schriftsteller, die den Charakter der Volkssprache wiedergeben wollten, übernahmen solche Regionalismen mitunter in ihre Texte.
Auch die großen Klassiker scheuten sich nicht, „Galjawina“ zu verwenden. Iwan Turgenew, der gefeierte Autor von „Mumu“, nutzte es in seinen Werken, ebenso wie das Ural-Genie Dmitri Mamin-Sibiryak in „Priwalows Millionen“. Sie bereicherten die Sprache, ohne die Kontroverse zu ahnen, die folgen würde.
Die „Galjawina“ war somit kein Setzfehler, sondern ein lebendiger Beweis für sprachliche Interaktion. Sie zeigt, wie Wörter aus Dialekten und verwandten slawischen Sprachen die russische Sprache bereichern und sie noch facettenreicher machen können.
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