Wie oft haben Sie sich schon dabei ertappt zu denken: „Das wusste ich doch!“? Das zeugt nicht immer von Genialität, sondern ist eine kognitive Verzerrung, die als „Rückschaufehler“ bekannt ist....
Wie oft haben Sie sich schon dabei ertappt zu denken: „Das wusste ich doch!“? Das zeugt nicht immer von Genialität, sondern ist eine kognitive Verzerrung, die als „Rückschaufehler“ bekannt ist. Sie hemmt Ihre Lernfähigkeit, da Sie Ihre wahren Fehler nicht erkennen und daraus nicht lernen können. 1975 zeigte der Psychologe Baruch Fischhoff, wie Teilnehmer nach Nixons China-Besuch 1972 ihre Erfolgserwartungen überschätzten. Ihre anfänglichen Einschätzungen veränderten sich im Nachhinein dramatisch, was Fehleranalyse und echtes Lernen verhinderte. Nach der Finanzkrise von 2008 erkannten Experten und Investoren im Nachhinein, dass der Zusammenbruch von Lehman Brothers unvermeidlich gewesen war. Vor dem 15. September 2008 hatte jedoch kaum jemand den Zusammenbruch vorhergesagt, was die Lehren aus der Vergangenheit verzerrt. Daniel Kahneman, Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises 2002, beschreibt in „Schnelles Denken, langsames Denken“, wie dieser Effekt die Kalibrierung unseres Urteilsvermögens beeinträchtigt. Wir verlieren den Anreiz, Hypothesen zu testen, wenn wir „schon alles wissen“. Um wirklich zu lernen, sollten Sie Ihre Vorhersagen aktiv vor dem Eintreten von Ereignissen festhalten. Nur der Vergleich mit der Realität ermöglicht eine ehrliche Selbsteinschätzung und kontinuierliches Wachstum. Andernfalls bleibt Ihr Gehirn für immer ein „Genie im Nachhinein“, das dieselben Fehler wiederholt.
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